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Raven's Tagebuch
(Das Tagebuch eines Amerikanischen Colliewelpens)
5 Monate
Alasca hat uns eben mal wieder Bericht erstattet über die komischen Verhaltensweisen ihrer Zweibeiner:
24.12.2010
Frauchen und Herrchen verfielen kurz vor Weihnachten in so eine merkwürdige Stimmung. Spannung lag in der Luft. Sie begannen auf die Jagd zu gehen, einkaufen nennen die das. Unsere Freude darüber war allerdings immer nur von kurzer Dauer. Da brachten die so leckere Sachen mit und was machten die damit? Ohne auch nur mal wenigstens zu probieren steckten sie alles ungegessen in so einen kalten Schrank. Hey was soll das, wenn ihr das nicht mögt, dann gebt es mir oder zeigt mir wenigstens wie das blöde Teil aufgeht, dann hole ich es mir selbst. Es geht doch nichts darüber sich so eine leckere eisgekühlte Gans, so langsam auf der Zunge zergehen zu lassen.... .
Aber nicht nur Leckereien brachten sie in ihrem Sammelwahn mit, sondern auch so komisches nutzloses Zeug, was dann später in buntes Papier eingewickelten. Nicht schlecht gestaunt habe ich als sie in ihrer Fürsorglichkeit auf einmal mit einem riesigen Baum in der Tür standen. Bestimmt wollten sie ihn vor den Schneemassen retten. Ich fand das toll und habe mich gleich heimisch gefühlt und darunter gekuschelt. Frauchen war wenig begeistert, weil sie unbedingt noch so komische Fäden und Bälle daran hängen wollte. Und damit die Zweibeiner mit ihrem schlechten Augenlicht die merkwürdige Deko besser betrachten können, haben sie das Ding auch noch beleuchtet. Verteidigt haben sie die merkwürdige Konstruktion, als ob es ein gefüllter Futternapf wäre. Mir wurde direkt klar gemacht, dass eine unsichtbare Grenze außen herum verlief und das Grenzverletzungen nicht toleriert werden ... . Na, ich wollte keinen Krieg, also habe ich mich dran gehalten.
Aber dann war meine Geduld doch am Ende. Als ob die Verunstaltung des schönen Baums noch nicht reichte, fingen sie an noch ein Holzhäuschen darunter zu stellen (auf meinen alten Liegeplatz!). Hinein kamen kleine Figürchen und ein paar Tiere. Aber was war das? Ich traute meinen Augen kaum. Unter den Tieren befand sich auch ein Collie, den sie weit hinten ins Häuschen zu den Hirten stellten. Na wartet ab, das geht ja gar nicht, vor 2000 Jahren gab es noch gar keine Collies!
Also kurz abgewartet, bis Frauchen und Herrchen den Besuch an der Tür empfingen und dann kam meine akrobatische Seite hervor, wobei mir meine lange Collienase sehr zu Gute kam. Ohne auch nur ein Figürchen umzustoßen bahnte ich mir meinen Weg durch das Wirrwarr, holte iden Collie vorsichtig hervor und dann schnell ab auf die Decke und schlafen gestellt. Frauchen schaute etwas kritisch. Besuch kommt und ich liege schlafend auf der Decke ... . Da war der Schneespaziergang vorher vielleicht doch ein wenig zu lang gewesen, meinte sie.
Dann führten sie stolz ihrem Besuch den Bällebaum vor und die Krippe.... . Frauchen merkte gleich, dass etwas Entscheidendes fehlte und das arme Herrchen war gleich der Hauptverdächtige. Wer sollte es auch sonst gewesen sein. So quälte ich mich den ganzen Abend dahin, schön brav auf der Decke, Frauchen guckte schon ganz besorgt. Der Mund völlig ausgetrocknet, denn der Wassernapf war so weit weg und ich war unter Dauerbeobachtung. Als ich dann aber auch auf den nächsten Spaziergang verzichten wollte kam Frauchen besorgt an, um mich zu streicheln und durchzuchecken. In Bruchteilen von Sekunden war sie dahin, meine Arbeit von Stunden. Mit einem Griff zog sie den kleine Collie unbeschädigt zwischen meinen Vorderbeinen hervor und konnte es nicht fassen.
Nachdem ich mir einen längeren Vortrag über mich ergehen lassen musste, stürzte ich halb verdurstet erst einmal zum Wassernapf und tobte mich draußen aus. Als wir zurück kamen und Frauchen auf die Toilette ging und Herrchen sich mit dem CD-Player auseinander setzte (der übrigens gleich neben der Krippe steht), schaffte ich es ein weiteres Mal mir die Colliefigur auf meine Decke zu holen. Herrchen war wieder der "Gelackmeierte", denn er hatte nichts bemerkt, manchmal kann er einem wirklich leid tun. Und dann haben sie mir die Figur wieder abgenommen. Schnief ... . Da musste ich mich von all meinen Geschwistern trennen und darf noch nicht einmal so einen kleinen Kerl mit auf meine Decke nehmen. Dabei sind wir Collies so gesellig! Und dann haben sie die Gans auch noch ganz alleine aufgefuttert. Das war das traurigste Weihnachtsfest meines Lebens ... Schnief!!!
01.01.2011
Das war eine tolle Nacht. Wir durften mit zu Freunden. Ich habe mich von meiner besten Seite gezeigt, auch die Katzen habe ich brav in Ruhe gelassen. Naja fast von meiner besten Seite. Die Gastgeber hatten einen angenehm niedrigen Wohnzimmertisch. Endlich konnte man ohne Verrenkungen genauere Untersuchungen vornehmen, was da alles so herum steht. Aber meine Schlürfgeräuche waren dann doch wohl zu laut, als ich mit meinen Erforschungen an die Füllungen der Gläser anlangte. Bier schmeckt lecker, Ananassaft nicht ganz so gut, aber am schlechtesten bekam mir Frauchen und Herrchens Laune danach. Habt ihr noch nie was von Jugend forscht gehört? Wie soll ich mir ein genaues Bild über Euch Zweibeiner machen, wenn ich noch nicht einmal Eure Ess- und Trinkgewohnheiten näher untersuchen darf. Schließlich hantiert ihr auch ständig in meinem Wasser- und Futternapf. Noch nie was von Gleichberechtigung gehört?
Als am Abend immer wieder so laute bunte Lichtblitze über den Himmel zogen wollte ich unbedingt wissen, was da draußen los ist, bis Frauchen mich endlich auf den Arm genommen hat, damit ich besser aus dem Fenster schauen konnte. Noch nie was davon gehört, das wir Hunde Nasentiere sind, was soll also die störende Scheibe? Tante Samira darf auch nach draußen mit Herrchen Feuerwerk gucken. Endlich hatte ich Frauchen so weit und ich wurde aus meiner Gefangenschaft entlassen und durfte endlich raus - das war toll!
Beim Spaziergang am anderen Morgen stand Frauchen jedes mal kurz vorm Herzinfakt, nur weil ich immer wieder so kleine runde Teile draußen einsammelte. Na gut, dann buddeln wir halt unschuldig im Schnee. Mit Präzisionsarbeit (vielleicht sollte ich später Archäologin werden) arbeitete ich sorgfältig meine Schätze aus dem Boden und führte sie stolz Frauchen vor, aber sie schien auch keine eingefrorenen Silvesterkracher zu mögen. Ich werde diese Zweibeiner nie verstehen ... .
Fortsetzung unter 6 Monate
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