Start Raven's Tagebuch 1. - 2. Lebenswoche
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Raven's Tagebuch 

 

(Das Tagebuch eines Amerikanischen Colliewelpens)

 

 

1. - 2. Lebenswoche

 

 

07.07.2010

 

Hallo!!!   Hallo - wo sind sie denn alle hin?   Warum hallt das denn so  -  die anderen werden mich doch wohl nicht ganz alleine hier drin zurück gelassen haben? Ich muss wohl eingeschlafen sein.

 

Heute Morgen war die Welt noch in Ordnung. Mama wollte uns schon gestern aus ihrem Bauch herauskatapultieren, aber wir haben beschlossen, noch ein Weilchen hier zu bleiben. Hier  ist es warm und gemütlich, ein bißchen eng vielleicht, aber Essen gibt es reichlich. Und wer weiß, was uns da draußen erwartet. Also haben wir noch gemeinsam abgestrampelt, man will ja schließlich fit bleiben. Besonders viel Strampelspass hatten wir immer dann, wenn Mama ihre Schlafposition eingenommen hat. Merkwürdigerweise hat sie dann immer im Takt so komisch herumgehechelt und ihre Bemühungen uns herauszubefördern wurden stetig vehementer. 

 

Heute Morgen haben wir dann erneut abgestimmt. Die Mädels konnten es kaum abwarten herauszukommen, aber zum Glück sind wir Jungs knapp in der Überzahl und wie das halt bei uns so ist - es geht doch nichts über  ein gemütliches Lager, bei dem es an nichts mangelt. Aber irgendwas muss wohl fürchterlich schief gelaufen sein. Ich glaube ich bin wohl bei den endlosen Diskussionen über das Für und Wider eingeschlafen und "Alasca" scheint sich dann doch durchgesetzt zu haben.

 

Also was soll es, so ganz alleine ist es hier viel zu langweilig. Dann mach' ich mich doch lieber auf zum Ausgang. Wo war der denn gleich?  Muss ich jetzt nach oben oder doch vielleicht nach unten? Hier sieht alles so gleich dunkel aus. Aber das hier sieht mir mehr nach einer Sackgasse aus. Hoffentlich komme ich hier überhaupt nochmal heraus. Oh - was ist das?   Hui - geht das hier prima abwärts. Das ist ja eine klasse Rutschbahn. Hallo - da bin ich!!!

 

Wo bin ich denn hier gelandet? Ist das komisch hier. Mama und Frauchen beeilen sich,  mich aus der Hülle zu befreien, in der ich noch schwimme. Ist das kalt hier und wie ging das nochmal mit dem Atmen, denn allmählich geht mir die Puste aus!? Mama hilft mit ihrer warmen Zunge und dank Frauchens Unterstützung klappt es dann auch mit dem erste Atemzug - Puh! Noch abnabeln, eine Ganzkörpermassage von Mama und fertig! Derweil schlemmen meine Geschwister schon begeistert an der Milchbar. Scheint ja doch nicht so schlecht hier draußen zu sein. Noch eine kräftige Mahlzeit und dann ist erst einmal Schlafen angesagt. Gähn!

 

 

08.07.10

 

Das Leben ist schön! Essen, dann wieder schlafen, dann Essen usw.. Wenn nur nicht immer das mühselige Suchen nach den Zitzen wäre! Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat, dass wir noch blind und taub auf die Welt kommen. Aber wer jetzt denkt wir würden hilflos umher irren, der hat sich geirrt? Wir sind mit einem hervorragend hochentwickelten "Wärmesensorsystem" ausgerüstet. Wir machen Pendelbewegungen mit dem Kopf und können so Wärmequellen, wie unsere Geschwister sowie Mama und vor allem deren warmen Zitzen schnell ausmachen, wenn wir nah genug dabei sind und uns die Sommerhitze nicht irritiert. Wir robben dann halbkreisförmig voran um nicht verloren gehen zu können. Die Zitzen sind Mamas wärmste Stellen, also anpeilen und nichts, wie hin.

 

Aber da waren noch diese Streichholzbeinchen, mit denen uns die Natur ausgestattet hat - zum Stehen noch nicht geeignet. Also heißt es mit den Vorderbeinen voranziehen und mit den Hinterbeinchen robbend nachschieben. Wenn es zu lange dauert oder man keine Lust auf lange Suchspiele hat, dann gibt es noch die Alternativlösung: Man gibt Säuglingsähnliche Ruflaute von sich. So kann man Frauchens Herz zu jeder Tages und Nachtzeit erweichen. Nur bei Herrchen klappt das nicht so, da muss dann zu Stufe 2 übergegangen werden: Man sende einen markerschütternden Hilfeschrei aus. Das funktioniert immer!  Ansonsten Stufe 3 anwenden und dem Schrei noch ein paar heftige hilflose Strampler hinfügen und wetten, dann kommen sie aus allen Ecken gerannt, selbst Mama kann dann nicht widerstehen. 

 

Inzwischen bin ich auch gewahr geworden, was am Vortag alles so los war. Nachdem die Damen beschlossen hatten, dass es Zeit für Unternehmungen wäre, ging es nun darum, wer sich denn als erster in Gefahr begibt. Die Ladys waren plötzlich recht kleinlaut, insbesondere Alasca, die es als erste getroffen hätte, da sie am nächsten zum Ausgang lag. Aber Amaze, ganz der Gentleman, nahm die wagemutige Aufgabe an, sich als erster ins Neuland zu begeben.

 

Im Nachhinein war das Alascas Glück, da sie ein wenig fülliger war, wäre sie bestimmt in dem engen Gang stecken geblieben. Nein, Spass beiseite, Amaze hatte wirklich reichlich zu tun (von Mama ganz zu schweigen), bis alles so weit gedehnt war, dass auch unsere großvolumigen Köpfe (klar, ist ja auch besonders viel Gehirn drin) hindurch passten. Nachdem die anderen mitbekommen hatten, wie sehr er zu kämpfen hatte, bekamen sie Angst, dass ihre feinen Gesichtszüge Schaden nehmen könnten (das diese Sorge von den Damen ausging brauche ich ja wohl nicht extra zu erwähnen). So kam der ganze Rest, einschließlich mir, sicherheitshalber mit dem Hinterteil voran zur Welt. Ein ähnliches Feeling, wie Achterbahn rückwärts fahren. Ein Mordsspass!

 

Das hätte Frauchen besser auch mal gemacht, dann hätte sie besser verstanden, warum wir, noch gar nicht richtig auf der Welt, schon so super gut drauf waren. Nachdem der erste Atemzug getan war, konnte es kaum einer erwarten, bis er abgenabelt war. Und dann noch diese Prozedur, was die Menschen "Wiegen" nennen. Schon in den ersten Lebensminuten hatten wir raus, wie wir unsere Menschen zur Verzweiflung treiben können. Es gibt aber auch nichts schöneres als auf so einer Wage hin und her zu strampeln. Der Strampeleffekt führt zu einer Rotation des ganzen komischen Geräts, fast so wie Karussell fahren.  So haben wir Herrchen mit seiner ersten Amtshandlung schon an den Rande des Wahnsinns getrieben.

 

Dabei weiß ich gar nicht, was er hatte. Er sollte sich mal in unsere Lage versetzen. Das ist, wie wenn man tagelang ohne Wasser in der Sahara unterwegs ist und dann endlich am Horizont Wasser erblickt. Einmal in Zitzennähe abgesetzt gab es kein Halten mehr. Frauchen wartete immer vergeblich darauf, dass wir mal zur Ruhe kommen und schlafen. Mensch - wir haben neun Wochen überwiegend geschlafen, jetzt haben wir keine Zeit mehr dafür, schließlich wollen wir was erleben! So haben wir Frauchen auch in den ersten Nächten keine Ruhe gelassen. Wir haben immer genau abgepasst, wenn sie gerade eingeschlafen ist und dann hat einer von uns im Wechsel den Hilfeschrei ausgestossen, das war ein Spass! In Bruchteilen von Sekunden stand sie "Gewehr bei Fuß", um uns umgehend wieder einzusammeln und an die Zitzen zu legen (Pst: nicht weitersagen, wie haben die Zeit gestoppt - und je näher es an Tagesanbruch ging, desto langsamer wurde sie, anstatt sich sportlich zu steigern). 

 

 

09.07.2010

 

Allmählich klappt es mit der Bewegungskoordination immer besser. Das heißt wir suchen uns nicht mehr die nächste freie Zitze, nein wir  kämpfen um die besten Zitzen. Bei jeder Mahlzeit werden die Karten neu gemischt. Dabei siegt nicht immer der stärkste, sondern der geschickteste. So bin ich Meister im "Aushebeln von Unten". Wenn ich mich durch die Meute durchgeschlängelt habe suche ich mir einen von meine Geschwistern aus und katapultiere mich dann von unten gegen ihn. Das kommt dann meist so unerwartet, dass die Zitze entgleitet. Ich muss dann nur noch schnell genug sein und rechtzeitig zuschnappen, bevor er wieder angedockt hat.

 

Frauchen macht jetzt immer so komische Sachen mit uns. Anstatt uns direkt neu anzudocken, wenn sie uns hochhebt, lässt sie sich plötzlich sehr viel Zeit (während wir verdursten) und befingert uns von oben bis unten. Aber nicht mit uns. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder jeden einfach so überall betatschen darf.  Der werden wir erst einmal Benehmen beibringen! Aber erst einmal freuen wir uns auf den Wiegespass. Leider haben sich Frauchen und Herrchen ein paar Kniffe einfallen lassen - nein, wir werden nicht in Handschellen gelegt und geknebelt - aber so ähnlich. Die richtige Schüsselgröße in Kombination mit einem Handtuch, in das sie uns leicht einhüllen, hat Wunder bewirkt. Leider gingen die Pluspunkt alle an sie, aber wir sammeln schon Ideen für eine Gegenmaßnahme. Aber dazu später.

 

Wenn man es sich recht überlegt, dann sind Frauchen und Herrchen ja eigentlich doch ganz nett. Auch wenn das Tempo bei der Zitzenbeförderung noch arg zu wünschen übrig lässt. Zumal nur noch die eingesammelt werden, die all zu weit  weg vom Schuß sind. Der Rest muss sich selber durchboxen, ein wie sie meinen wichtiger Lernprozess. Für mich ist das mehr Verhungern vor vollen Tellern. 

 

Aber heute hat Frauchen mit einem etwas abfälligen Blick auf Herrchen unsere Schwänzchen bewundert, die seit neuestem freudig hin und her vibrieren (eine Art Kurzstreckenwedeln), wenn die Milchquelle sprudelt. Wir haben beschlossen das Problem mit der Ganzkörperabtastung nochmal zu überschlafen. Zumal Frauchen meint, dass das schon seinen Sinn hat, damit wir uns auch später überall gut anfassen lassen.

 

 

10.07.10

 

Wir haben beschlossen einer nach dem anderen zu kapitulieren. Wenn man es so recht überdenkt ist es ja auch eigentlich ganz angenehm, wenn man von Frauenhänden gestreichelt wird. Da muss Herrchen sich erst noch etwas Mühe geben. Besonders wenn es darum geht uns auf seinen Bauch zu legen. Sein Kugelbauch ist wie eine Abschussrampe - liegenbleiben ist da ein "no-go".Wenn er die Rutschpartie verhindern will, dann wird aus Leibeskräften geschrien und unsere besorgte Mama ist sofort an unserer Seite. Ein paar von uns, natürlich die Mädels voran, scheinen aber auch da ihren Gefallen zu finden. Amazone meinte, sie haben halt den besseren Gleichgewichtssinn, um auch auf unebenem Terrain den Halt nicht zu verlieren. Dabei sind wir Jungs doch die Trapper. Beim nächsten Mal zeigen wir es Euch!

 

 

11.07.10

 

Seitdem wir Anzeichen von Wohlsein (Anschmiegen, Räkeln usw.) von uns geben, wenn Frauchen uns krault, könnte man fast meinen, wir haben einen Teil von uns selbst, nicht aufgegeben, aber abgegeben. Es hat was, sich an diese komischen Zweibeiner zu binden, die uns körperlich so wohl tuen.

 

Aber alles hat seine Grenzen. Als Frauchen versuchte, trotz gut sprudelnder Milchquelle, uns sicherheitshalber auch an Fläschen zu gewöhnen, sollte sie unsere neu gewonnen zahlreichen Muskelpartien kennenlernen. Angeblich soll es in der ersten Lebenswoche am einfachsten sein, uns Welpen an eine solche Form der Nahrungsquelle heranzuführen. In Wirklichkeit ist es aber so, dass wir nur in der ersten Woche zu überwältigen sind, weil es uns noch an Körpermasse fehlt. Insbesondere die Nimmersatte unter uns gaben schnell auf.

 

 

12.07.10

 

Langweilig wird es hier nie. Frauchen hat sich schon wieder etwas neues einfallen lassen. Wenn Sie uns streichelt, fängt sie an uns in verschiedene Richtungen zu kippen, soll angeblich den Gleichgewichtssinn fördern. Nach anfänglichem Verspannen ist es eigentlich doch ganz lustig.

 

 

13.07.10

 

Frauchen hat heute wieder von uns geschwärmt, wie schön sich das Fell jetzt entwickelt und was für Fortschritte wir beim Hochstemmen machen und wie wir den Kopf immer besser angehoben bekommen. Heute hat sie mal wieder ein Handtuch auf unsere Decke gelegt, damit wir schon einmal erste Erfahrungen mit verschiedenen Objekten und Untergründen bekommen.

 

 

14.07.10

 

Heute wird gefeiert! Wir werden eine Woche alt! Wo bleibt der Sektempfang und das kalte Buffett? Statt dessen gibt es wieder nur Milch und noch nicht einmal Geschenke.

 

 

15.07.10

 

Frauchen meinte heute, wir wären ziemliche Brocken geworden (soll sie sich doch selber mal im Spiegel betrachten). Alle haben zwischenzeitlich ihr Geburtsgewicht mehr als verdoppelt. Wenn ihr also mal eine gute Milchbar sucht, ich kann Euch eine empfehlen!

 

 

16.07.10

 

Heute Morgen rief uns wieder mal Alasca, diese Streberin, beisammen und meinte "Guckt mal, was ich schon kann!" und versuchte dann auf allen vier Beinen voranzukommen, was auch tatsächlich ein paar Schritte weit klappte. Aber was die kann, das können wir schon lange (grr), glaubten wir jedenfalls zu können, doch die meisten haute es direkt wieder um.Es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.,  wir arbeiten dran. Und außerdem, das soll uns erst einmal jemand nachmachen, völlig blind durch die Gegend zu laufen.

 

 

17.07.10

 

Heute war hoher Besuch angesagt. Wir mussten uns in Frack und Anzug werfen, denn die Zuchtwartin kam zur Zuchtstättenabnahme und Begutachtung von mir und meinen Geschwistern. Ich weiß gar nicht, was die von uns wollte. Schamlos angestarrt hat sie uns. Und dann kam der Hammer, da schiebt die mir doch tatsächlich irgendso ein langes Ding in mein winziges Mündchen und puhlt  darin herum, bis in jede Ritze. Das war vielleicht ekelig. Frauchen meinte das müsse so sein. So habe ich meine Empörunglautstark herausgebrüllt, in der Hoffnung, dass mir wenigstens Mama helfen kommt. Aber auf  die ist auch kein Verlass mehr. Bis auf einen kritischen Blick, ließ sie mein Leiden scheinbar völlig kalt, anstatt mir unverzüglich zur Hilfe zu eilen. Dann musste auch noch einer nach dem anderen von meinen Geschwistern dran. glauben. Einige schlossen sich meiner Protestkundgebung an. Die anderen fügten sich einfach so kampflos ihrem Schicksal (Looser!) und ließen alles einfach ruhig über sich ergehen.

 

Frauchen faselte etwas über Speichelprobe für den MDR1-Test, Gentypisierung und Abstammungsnachweis. Wollen die etwas behaupten Mama wüßte nicht wer mein Papa ist, obwohl Frauchen bei der Zeugung dabei war?  Die wollen meiner Mama doch wohl nicht unterstellen wollen, dass Sie etwas mit anderen Männern hatte? Meine Mama tut so was nicht! !!! Oder glauben die etwa noch, dass der Storch mich gebracht hat. Die haben im Biologieunterricht wohl nicht richtig aufgepasst.

 

Frauchen war jedenfalls glücklich, dass die Abnahme der Zuchtstätte so einwandfrei von statten gegangen ist. Auch die Aufnahme als kontrollierter Züchter in die Züchtergemeinschaft KCK  (Kontrollierte Collie Kennel) hat sie erfolgreich beantragt.

 

Und das Beste zum Schluß: Die Zuchtwartin war ganz begeistert von uns, auch darüber, dass alle wohlproportioniert und gleichmäßig gewachsen sind.  Hat einer bei unseren Astralkörpern etwas anderes erwartet?

 

Dann hat diese Zuchtwartin mit Frauchen angefangen über unser Aussehen zu diskutieren - das muss man sich mal vorstellen; was geht die das an, wie wir aussehen. Ist doch klar, wir sind die hübschesten Welpen, die die Welt je gesehen hat!

 

Und die Krönung vom dem Ganzen ist, dass sie sich darüber unterhielten, ob und wieviele von uns schon vermittelt worden sind. Vermittelt???  Wir bleiben alle hier, das ist doch wohl klar! Schließlich sind wir doch ein Rudel und Platz ist hier genug für alle! Mhm - aber auf Alasca könnte ich schon verzichten ... .

 

 

18.07.10

 

Gähn... . War das schön heute, endlich mal ausschlafen. Kein Stress, keine Zuchtwartin, endlich Ruhe. Mama hat es auch genossen - ewig hat sie geschlafen. wir wären bald verhungert, wenn Frauchen sie nicht geweckt hätte.

 

Gleich tagt der Familienrat. Mal schauen, was wir heute mit Frauchen anstellen. Ich muss dann los, bis später!  ..........

 

Bin wieder zurück. Amaze hatte die zündende Idee. Er hatte mitbekommen, dass Frauchen heute für die Nachwelt fotographisch festhalten wollte, wie schön wir schon kurzzeitig stehen und wenige Schritte gehen können. Also beschlossen wir, sobald sie uns ins Visier genommen hat, uns wie auf Kommando fallen zu lassen. Das war ein Mordsgaudi und Frauchen der Verzweiflung nahe. Auf die Damen war mal wieder kein Verlass. Vermutlich fühlten sie sich schon als zukünftige Models, so ließen sie sich meist zu spät wieder fallen. Typisch, aber Frauchen war glücklich wenigstens ein paar Bilder zu bekommen.

 

 

19.07.10

 

Heute Morgen ließ ich mir noch genüsslich den Geschmack meines Frühstücks auf der Zunge zergehen, als ich sanft hochgehoben wurde. Ich freute mich schon auf eine Streicheleinheit von Frauchen. Doch stattdessen schob sie mir irgendso ein  dünnes rundes Plastikteil in den Mundwinkel und beförderte damit so eine komische klebrige, fies schmeckende Masse in meinen Mund. Alle Versuche das Zeugs wieder los zu werden waren vergebens, so klebrig war es. Frauchen erzählte irgendwas von einer Wurmkur. Pfui Teufel! Auch meinen Geschwistern erging es nicht anders. Aber wenigstens bekamen wir ein wenig später unsere Streicheleinheiten nachgeholt, so waren wir dann doch wieder versöhnt und der fiese Geschmack hatte sich auch verflüchtigt.

 

Heute Abend, als es nicht mehr so heiß war, ging dann richtig die Post ab! Wir wurden alle in so eine komische große Plastikkiste gepackt, Hundetransportbox sagte Herrchen dazu.  Sie war schön gemütlich mit einer Decke ausgelegt. Dann wurden wir  von Frauchen und Herrchen hochgehieft (im wahrsten Sinne des Wortes, denn schließlich haben wir unser Geburtsgewicht schon fast verdreifacht). Dann ging es nach draußen und dann hinein in so ein großes Ding mit Rädern unten dran. Herrchen, Frauchen, Mama und "Tante Samira" waren mit von der Partie. Sie stiegen mit ein und dann fing das ganze Teil plötzlich an zu vibrieren und zu wackeln. Mal nach links, mal nach rechts, mal gleichmäßig, mal ruckelig. Was ist das denn? 

 

Das ganze erinnerte ein wenig an die Schaukelpartien, die wir in Mamas Bauch mitgemacht hatten. Wenn sie meinte einen kurzen Spurt hinzulegen und dann wieder abrupt abzubremsen. Als Mama an unserer Kiste schnupperte schien sie auch völlig entspannt, also kein Grund zur Aufregung. So haben wir uns dann nach und nach schlafen gelegt, denn mit unseren Stehübungen wurde das hier drinnen ja doch nichts, bei diesem Gewackele und die Milchbar schien auch geschlossen zu haben, vermutlich hätte es dann auch nur Sahne gegeben. Also schön gemütlich einkuscheln ....  schnarch .... .

 

Was ist jetzt los? Sind wir etwa schon wieder zurück? Gähn ... . Wir sind alle noch ganz verschlafen, als Frauchen uns wieder zurück in die Wurfkiste hebt. Mama nimmt uns sofort liebevoll abschleckend in Empfang und sie öffnete für uns nochmal die Milchbar. Mhm Lecker!

 

 

20.07.10

 

Heute Morgen schien es als ob die Welt ein wenig heller, freundlicher geworden wäre. Ja tatsächlich heller war sie wirklich geworden. Je nachdem wohin ich meinen Kopf drehe, ist es um mich drumherum mal etwas heller, mal etwas dunkler. Meine Augen öffnen sich so langsam!!!

 

So schemenhaft kann ich schon Mama und Frauchen und die Wurfkiste erkennen. Aber so richtig umzusetzen weiß ich die visuellen Reize noch nicht so ganz. Das alles muss erst mit den Bewegungen abgeglichen werden. Mein Köpfchen neigt immer noch ein wenig zum Pendelsuchen nach Wärmereizen und bringt mich damit noch ein wenig aus dem Gleichgewicht.

 

Zum Abend hin sieht die Sache immer besser aus. Wir können schon längere Strecken halbwegs koordiniert laufen. Die Beinchen sind zwar noch nicht so ganz durchgedrückt und so ab und an sehen wir die Hindernisse noch nicht so ganz kommen (die könnten ja auch freundlicherweise von sich aus ausweichen, aber wie war das mit dem Gentleman?), aber wir werden immer besser! Frauchen kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, so stolz ist sie auf uns! 

 

 

21.07.10

 

Was für eine Nacht! Immer wenn ich eingeschlafen bin, kamen mir diese komischen neuen Bilder in den Sinn. Und irgendwann, so in den frühen Morgenstunden, hat es dann "Klick" gemacht, was die Umsetzung der visuellen Reize in Bezug auf die Bewegungskoordination betrifft (wenn ich mich mal ganz hochgestochen ausdrücken darf). Auf alle Fälle war Frauchen heute Morgen völlig baff, als sie sich zu uns in die Wurfkiste setzte und wir mit einem "Attacke!" ganz gezielt zu ihr hin gelaufen (!!!) kamen. Und das, wo unsere Äuglein noch nicht komplett geöffnet sind.

 

Frauchen ist bald verzweifelt. Sobald sie sich einen von uns geschnappt hat zum Wiegen, hat es immer wenigstens noch einer von uns geschafft, sich mit auf die Waage zu bewegen. Bis sie ihn beiseite geschafft hatte, fing der, der in der Schüssel war, vor Langeweile an zappelig zu werden. Sie hat dreimal so lange wie sonst gebraucht, bis sie alle durch hatte. Aber heute Abend kann sie ja nochmal üben. Wir werden wieder die Zeit stoppen!

 

Und tatsächlich, diesmal ging es zügiger. So schnell konnten wir gar nicht gucken, wie sie uns sortiert hatte. Und trotzdem blieb noch für jeden genug Zeit für ein paar Schmuseeinheiten. Frauchen bereut es schon, dass sie keine sieben Hände hat, weil jeder seinen Anteil will.

 

Einige von uns setzen seit ein paar Tagen schon selbständig ihren Kot und Urin ab. Mamas Kopf kommt dann jedesmal "angeflogen", um alles aufzufangen, bevor das "Nest" verschmutzt wird.

 

Herrchen war heute Abend völlig verblüfft, als er die Pumpe von unserem "Pool" einschaltete und im selben Moment alle Köpfe von uns neugierig herumflogen. Ja - ab sofort müsst ihr aufpassen, was ihr sagt, wir fangen an alles mitzuhören .... . Also keine Heimlichkeiten mehr vor uns!

 

Fortsetzung siehe unter 3.-4. Lebenswoche

 

 

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